Mittwoch, 19. September 2007
Willkommen auf "Tanjas Beijing-Blog"
Vor 10 Tagen habe ich meine Reise aus Deutschland ins Reich der Mitte angetreten. In diesen kurzen Zeit habe ich bereits einiges gesehen und erlebt, woran ich Euch teilhaben lassen möchte.



Meine ersten Eindrücke...
Peking ist eine Stadt der Gegensätze, auf der einen Seite findet man eine hochmoderne, pulsierende Stadt, zum Teil mit beinah futuristisch anmutender Architektur und an jeder Ecke Baukräne, da sich die Stadt auf die bevorstehende Olympiade 2008 vorbereitet. Man sieht Leere-Flaschen-Sammler und Wanderarbeiter zwischen den blinkenden und grellen Leuchtreklamen. Schaut man jedoch genau hin, findet man überall kleine verwinkelte Strassen und Gassen in denen die Hutongs stehen und das traditionelle China widerspiegeln. Es gibt inmitten der Stadt wunderschöne Tempel und idylische Gärten und Seen.



Für empfindliche Nasen...
ist Beijing wirklich gewöhnungsbedürftig. Es riecht an jeder Ecke – und das nicht immer gerade angenehm. Das mag zum einen daran liegen, dass an jeder Ecke „Public Toilets“ zu finden sind (diesem sehr speziellen Thema, widme ich mich allerdings in einem separaten Punkt) zum anderen tragen die vielen Straßenstände zum Geruch bei. Es bubbert, brodelt, dampft und qualmt aus diversen Töpfen, offenen Feuerstellen und den berüchtigten „Hot-Pots“ in denen so ziemlich alles verarbeitet wird. Zumeist sind viele der Zutaten relativ undefinierbar, aber – da spreche ich aus eigener Erfahrung – will der gemeine Europäer gar nicht wissen, was er sich einverleibt. Die ewige Smogglocke, die wabernd wie eine dicke Nebelwand über der Stadt schwebt trägt ihr Restliches zum Geruch bei.



Die englische Sprache und Ausländer...
im Vorfeld kaum vorstellbar, stellte sich bei mir sehr schnell die Erkenntnis ein, dass der Großteil der Bevölkerung kein englisch – oder geschweige denn eine andere Sprache - spricht. Selbst Begriffe wie „YES“ und „NO“ stossen bei den meisten auf Unverständnis. Auch Begriffe, wie z.B. Taxi, Restaurant, Mc Donald’s die eine Gemeingültigkeit weltweit besitzen, heißen hier vollkommen anders und werden nicht verstanden. Dementsprechend gestaltet sich eine Taxifahrt, oder wie erst vor zwei Tagen der Kauf einer Aufladekarte für das Handy oder schlicht ein normaler Einkauf immer wieder zum Erlebnis. Ein paar Brocken Chinesisch spreche ich bereits, aber sobald ein Straßenname tonal nicht korrekt ausgesprochen wird, wird man schwer bis gar nicht verstanden. Deshalb freue mich schon jetzt auf den Sprachkurs der endlich am Montag beginnt!
Auch heutzutage sind die Chinesen in der Hauptstadt (aber insbesondere die ländlichere Bevölkerung) nur bedingt an westliche Menschen gewöhnt und so darf man sich nicht wundern, immer und überall angestarrt zu werden, als wäre am gerade mit seinem Raumschiff von irgendeinem anderen Planeten gelandet. Das viele Fotos von einem gemacht werden, daran habe ich mich bereits einigermaßen gewöhnt aber das minutenlange angestarre in der U-Bahn, ohne das dabei auch nur ansatzweise ein Lächeln über die Lippen der Menschen kommt ist schon manchmal echt anstrengend und komisch.

U-Bahn und Verkehr...
der Verkehr in Peking lässt sich am besten beschreiben, indem man sich eine ruecksichslose Menge von Rad- und Taxifahrern vorstellt, die zusammen mit Bussen und privaten PKW’s so schnell wie möglich von A nach B wollen. Die scheinbar einzig wichtigen Dinge an einem mobilen Gefährt sind das Gaspedal und die Hupe (in den Bussen zusätzlich die außen angebrachten Megafone mit denen sich der Busfahrer lautstark bemerkbar machen kann um andere Verkehrsteilnehmer zusammen zu stauchen). Nebensächliche Dinge, wie Gurte etc. gibt es (meistens) nicht. Und so heißt es immer mit Vollgas durch die Stadt. Die bunten Ampeln, die meines Erachtens Fußgängerampeln darstellen, scheinen für die meisten Menschen keine Bedeutung zu haben. Um „sicher“ über die zumeist 5-6spurigen Strassen zu gelangen, lautet meine Strategie, immer im Windschatten von Einheimischen mitlaufen – die werden hoffentlich schon wissen, was sie tun.

Da die Taxifahrten für europäische Verhältnisse sehr günstig sind, bietet sich das Taxi neben der U-Bahn als Fortbewegungsmittel Nr. 1 an. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass die Taxifahrer kein Wort englisch sprechen (selbst Begriffe wie „Forbidden City“ scheinen dem Taxifahrer vollkommen fremd). Auch die genau Zielposition zu erreichen ist nicht ganz so leicht. Man nennt den Namen der nächstgelegenen U-Bahn Station in dessen Nähe sich das gewünschte Ziel befindet und gibt dann vor Ort durch Richtungsanweisungen den genauen Haltepunkt vor. Erstaunlicherweise scheinen sich viele der Taxifahrer selber nicht besonders gut auszukennen. So ist es keine Seltenheit, wenn ein Taxifahrer selber während der Fahrt aussteigt und in einem Laden oder Passanten auf der Strasse nach der Richtung fragt. Als beste Strategie hat sich herausgestellt, sich in chinesischen Schriftzeichen den genauen Ort aufschreiben zu lassen und dem Taxifahrer dann den Zettel zu zeigen.



In der Rush-hour sollte man dringlichst auf die U-Bahn umsteigen – allerdings ist dies für klaustrophobisch veranlagte Menschen auch nicht geeignet. Ich beschreibe den Zustand der U-Bahn am liebsten so: Man stelle sich Karneval in Köln – am Rosenmontag – vor; allerdings ohne Kostüme und mit Hunderten von Chinesen.



Hutongs, Tempel, Gärten und Tee...
die klassischen Gebäude Pekings sind die Hutongs. Direkt an meinem 3. Tag hatte ich das Vergnügen, zu einer Barbecue Party in einem klassischen Hutong eingeladen zu werden. Die Menschen dort leben in einfachen Verhältnissen, wobei man dazu sagen muss, dass dieser Hutong gerade erst renoviert wurde und somit sogar über eigene Toiletten verfügt (deshalb eine Luxus-Variante der klassischen Hutongs darstellt). Wir haben die halbe Nacht in dem wunderschönen, idyllischen Innenhof gesessen, chinesisches Bier, Tsingtao getrunken (was übrigens unserem Kölsch sehr ähnelt und hier aus 0,67 l. Flaschen getrunken wird) und uns unterhalten. Ich hatte sogar das seltene Vergnügen, die Sterne sehen zu können, was – wie mir gesagt wurde – eine absolute Beijing-Besonderheit darstellt. Einer meiner chinesisch Lehrer hat uns noch zu einer klassischen Tee-Zeremonie eingeladen, bei welcher wir einen grünen Tee und einen besonders kostbaren roten Tee probieren durften, den ich aber nur bedingt genießen und schätzen konnte. Wir haben alle im Schneidersitz um den Tisch herum gesessen und unser Lehrer hat uns über den Ursprung der chinesischen Tee-Kultur aufgeklärt.

Fast überall in der Stadt finden sich wunderschöne Parkanlagen, Tempel und Seen wo man sie nicht vermuten würde. Hier ein paar Impressionen des Lama-Tempels der sich nur zwei Bahnstationen von meinem Apartment befindet. In den nächsten Tagen plane ich den Sommerpalast zu besuchen und dann gibt es neue Bilder...



Die Chinesische Esskultur...
basiert auf den Prinzipien des Yin (warm) und Yang (kalt) und zeichnet sich somit durch ein Gleichgewicht, in Farben, Formen, Temperatur, Schärfe und Milde aus. In den einzelnen Regionen Chinas lassen sich große Unterschiede in der Küche vorfinden. Überall jedoch wird das Essen auch als eine Art Medizin verstanden, die den Körper im Gleichgewicht halten soll. Deshalb lassen sich auch überall - für uns Europäer - Absurditäten wie z.B. Schlangenfleisch, etc. auf den Speisekarten finden, die gegen bestimmte Krankheiten heilend wirken sollen. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass das Essen hier in Beijing immer sehr fettig und reichhaltig ist.

Die Chinesen essen am allerliebsten in möglichst großen Gruppen. Gegessen wird gemeinsam aus den vielen Schüsseln und Schalen, die auf dem Tisch stehen, jeder fischt sich mit seinen Stäbchen einfach sein Essen aus den Schüsseln. Einen eigenen Teller bekommt man dabei nicht bzw. lediglich einen Teetassengroßen Unterteller, auf dem man ein bisschen Essen deponieren kann. Es geht ziemlich informel zu, jeder nimmt sich einfach was er möchte, wer besonders höflich ist, legt dem Tischnachbarn die besonders schönen Stücke auf seinen Teller. Reis gibt es erstaunlicherweise immer erst zum Schluss – niemals jedoch als Beilage. Reis dient lediglich dazu, den noch verbleibenden Hunger zu stillen. Bezahlt wird immer zusammen und niemals getrennt. Ich bin vor einigen Tagen in den Genuss eines vegetarischen Dinners gekommen, bei welchem typische chinesische Speisen in Farbe, Form und Geschmack, Fleischgerichten ähneln. Das war allerdings schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, da z.B. ein Karpfen aufgetischt wurde, der auch aussah wie ein Karpfen mit Haut und entgrätet. Auch in der Konsistenz und im Geschmack glich er – sofern ich mich noch richtig erinnere – einem Karpfen. Verrückt – aber ehrlich gesagt ganz lecker, wohingegen andere Gerichte echt gewöhnungsbedürftig waren. Aber zumindest kann ich nun von mir behaupten auch mal die klassische Peking-Ente gegessen zu haben (bei welcher im übrigen fast nur die Haut und nicht das Fleisch serviert wird).

Hier noch ein paar Bilder vom Wangfujing-Nachtmarkt...



...bei dem einfach alles auf kleine Holzstäbchen gespießt wird...



...was nicht bei drei auf den Bäumen ist!



Ein Indiz für ein besonders gutes Restaurant ist in China übrigens nicht, die Ausstattung, Speisekarte oder ähnliches, sondern die Anzahl und die Lautstarke der sich in dem Restaurant befindlichen Chinesen: Je mehr und je lauter, desto besser!
Mondkuchenfest: Zu meinem Ankunft liefen in Peking ALLE Leute mit Tüten voller Mondkuchen herum. Hierbei handelt es sich um ein mondförmiges Gebäck, welches in einer einzigen Nacht des Jahres gebacken wird – immer kurz bevor der Mond am weitesten von der Erde entfernt ist. Es dient zur Erinnerung an die Befreiung Chinas von der Mongolenherrschaft: Die Aufständischen übermittelten sich den Befehl zur Revolte, indem sie ihn in einen Mondkuchen einbackten. Ursprünglich mit einer Papp-süßen undefinierbaren Masse gefüllt, sind Mondkuchen heute eher Überraschungseier – man weiß nie was sich in dem Innenleben befindet, so sind auch Eier, Leberpaste, Bohnen etc. keine Seltenheit. Alle Chinesen und auch Ausländer mit denen ich über das Thema Mondkuchen gesprochen habe, scheinen diese zu hassen. Alle kaufen und verschenken sie – aber essen möchte sie keiner...
In der Nacht des Vollmondes treffen sich dann die Menschen mit ihren Familien beschenken sich mit Mondkuchen und essen ein Festessen. Zudem werden in dieser Nacht noch „Lampions“ in den Himmel steigen gelassen oder kleine Papierbote mit einer Teekerze zu Wasser gelassen.

Dolce & Gabbana, Prada, Gucci und Schlafanzüge…
China bekannt als der Hauptproduzent von Plagiaten macht seinem Ruf in Peking alle Ehre. Überall finden sich Klamotten der großen und bekannten Designer und natürlich behaupten alle, dass es echte Ware sei. Somit versuchen die Verkäufer in den bekannten „Fake-Markets“ auch die horrenden Preise zu rechtfertigen. Allerdings lassen sie sich dann doch für ca. ¼ des Ursprungspreises erstehen, was aber lange und anstrengende Verhandlungen mit sich bringt. Alle fassen einen an und wollen einen in den jeweiligen Verkaufsstand ziehen um einem „einen wirklich guten Preis zu machen“. Direkt am zweiten Tag hier in Peking war ich in dem wohl bekanntesten und wahrscheinlich auch schlimmsten Markt, dem sogenannten Silk Market. Hier werden die Touristen mit Bussen in Massen herangekarrt, um sich dann übers Ohr hauen zu lassen. Die Verkäufer haben so dermaßen an mir herumgezerrt, dass ich direkt einen blauen Fleck am Arm bekommen habe. Aber auch den Kulturschock habe ich gut überwunden. Alle wollen die „Freunde von einem werden“, aber natürlich nur, solange man den total überteuerten Ramsch kauft, falls man einen guten Preis (der im Zweifelsfall noch immer zu teuer ist) erzielt, heißt es nur „you are killing me“. Die Steigerung davon „you are killing me and my sister”. Das hört man dann über 6 Etagen in einer dröhnen Lautstärke, dass man direkt Kopfschmerzen bekommt. Echt anstrengend aber auch das muss einmal gesehen haben.
Im Gegensatz dazu findet man überall auf der Strasse und im Supermarkt Leute, die im Schlafanzug herumlaufen, ja tatsächlich richtige Schlafanzüge – welche Bewandtnis dies hat, weiß ich allerdings bislang noch nicht. Aber Jedem das Seine – der eine mag Prada, der andere Schlafanzüge.

Dinge an die ich mich wohl niemals gewöhnen werde...
Der Kehlkopf bebt und vibriert, mit aller Kraft versucht der Chinese, das ans Tageslicht zu befördern, was sich an Fremdkörpern in seinem Schlund befindet. Dieses wohlige Geräusch begleitet einen den ganzen Tag. Selbst in der U-Bahn und Restaurants, oder öffentlichen Gebäuden ist man nicht davor gefeit. Hält der zivilisierte Mitteleuropäer sich vornehmlich hinter verschlossener Tür damit auf, pflegt der Chinese einen ganz anderen Umgang damit. Gern rotzt er in der Öffentlichkeit, und wenn es eben geht so laut und ausgiebig, dass man den Eindruck bekommt, es müsse mehr dabei rauskommen als eben nur dieses ganz kleine bisschen Rotz. Auch die Frage, wohin damit, wenn es erst mal da ist, lässt sich schnell beantworten: Auf die Straße natürlich. Vor anderer Leute Füße oder aus dem Fenster bei schneller Autofahrt. Inzwischen habe ich mich an den irrsinnigen Geräuschepegel der Stadt gewöhnt, aber die Sinfonien von herben Rachengeräuschen reißen mich immer wieder meiner Trance – und ich weiß wieder wo ich bin. Aber nicht nur der Rachen birgt Inhalt, mit dem es vor Volksgenossen zu prahlen gilt. Auch der Naseninhalt wird vollkommen ungeniert dorthin befördert, wo andere es besonders gut sehen können – auf die Strasse und anderen vor die Füße.

Ein anderes Thema sind die öffentlichen Toiletten, anfangs noch erstaunt, warum es denn an jeder Ecke öffentliche Toiletten gibt, wurde dieses Geheimnis schnell gelüftet, die so idylisch anmutenden, traditionellen Hutongs verfügen nicht über eigene Toiletten. So muss man als Gast eines Cafes, Restaurants etc. die öffentlichen Toiletten aufsuchen. Ich habe dies zehn Tage vermeiden können, bis es eines Tages keine andere Möglichkeit hab; eine sehr süße Chinesin aus dem Restaurant, in welchem wir gerade waren hat mir dann den Weg gezeigt, wobei man diesen auch aus zehn Kilometer Entfernung bereits hätte riechen können. Angekommen wusste ich wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen soll – vor meinen Augen tat sich der Anblick von ca. 8 Löchern im Boden auf... vom Hörensagen wusste ich dies bereits aber mir wurde auch gesagt, dass die „einzelnen Toiletten“ mit Sichtschutzwänden versehen sind. Die „Wände“ waren allerdings nicht höher als mein Knie – wozu sollen die denn bitte gut sein? Naja, ich habe mich letztendlich für Lachen entschieden und es so schnell wie möglich hinter mich gebracht – glücklicherweise gab es keine anderen Besucher zu dieser Zeit. Die kleine Chinesin hat brav auf mich gewartet und danach selbst das stille Örtchen aufgesucht. Ich habe ihr dann einen feuchten Einmal-Waschlappen angeboten, die ich immer bei mir trage – sie hat dankend abgelehnt und ich musste das komplette verbleibende Essen über die Hygiene von Restaurants, Straßenbuden etc. (da es ja auch keine Waschbecken gibt) nachdenken – Details möchte ich Euch an dieser Stelle ersparen.

Das ewige und vollkommen rücksichtlose Drängeln in den Bahnen und auf der Strasse sind auch ziemlich anstrengend und auch daran werde ich mich wohl nicht gewöhnen, die Menschen drängeln und schieben schon Minuten bevor die U-Bahn überhaupt die gewünschte Station erreicht hat. Einmal angekommen versuchen die Menschen vor der Bahn einzusteigen noch bevor die Leute ausgestiegen sind. Das dabei der ein oder andere Ellenbogen im Gesicht des anderen landet stört nicht. Generell werden Begriffe wie „Bitte“, „Danke“ und „Entschuldigung“ nicht besonders häufig gebraucht.

Da trifft es den Chinesen natürlich besonders hart, dass im Züge der bevorstehenden Olympiade seitens der Regierung nun Förderungen gestellt werden wie nicht drängeln, eine Dame vorausgehen lassen, nicht fluchen, nicht so laut reden, nicht schubsen, höflich sein, nicht rotzen, nicht rülpsen und furzen (ja dem Chinesen ist kein körperlicher Laut in aller Öffentlichkeit fremd) und keine Ellbogen auf den Tisch. So drängt sich vielen Chinesen dieser Tage die Frage auf, warum ausgerechnet bevorzugte chinesische Gewohnheiten angeprangert werden?!

Zu guter Letzt noch ein Tipp für junge Mütter...
warum die teuren Windeln kaufen, wenn man es so einfach haben kann: Einfach den Schritt der Hosen nicht zunähen und offen lassen. So können die Kleinen jederzeit und überall ihr Geschäft verrichten, ohne dass es ihnen kalt wird. Ja, so funktioniert es hier – ich bin selber schon mehrmals Augenzeuge dessen geworden. Bekannte konnten das Ganze aber noch toppen, indem sie berichteten, wie die süßen Kleinen vollkommen ungeniert auch ihr Geschäft in der vollen Bahn verrichteten – ohne dass es auch nur irgendwen gestört hätte. Also für alle findigen Geschäftsleute unter uns – vielleicht ist die offene Hose noch mal eine Idee für den europäischen Markt?!




I climed the Great Wall…

dieser Spruch lässt sich hundertfach auf T-Shirts und Poster etc. entlang der Souvenirstände zum Great Wall finden. Und auch ich darf nun von mir behaupten, „I climbed the Great Wall“.



Die chinesische Mauer ist wirklich faszinierend, eine beeindruckende architektonische Meisterleistung, von Menschenhand gebaut.

Der Aufstieg bis zum höchsten Punkt gestaltete sich anstrengender als erwartet. Die Abschnitte sind zum Teil sehr steil und die Treppenstufen sehr hoch und unregelmäßig, sodass ich Streckenweise auf allen Vieren hochklettern musste. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass es einige Chinesen gab, die meine Großeltern hätten sein können und an mir vorbei wie die jungen Rehe, die Mauer hochgeklettert sind...





Wie ich Euch bereits zuvor berichtet habe, ist bei den Chinesen ein westlicher Mensch zumeist noch interessanter als die eigentliche Attraktion, weshalb man ja eigentlich gekommen ist. Somit wurde der Weg zur Spitze des Great Wall immer wieder unterbrochen, weil Chinesen Fotos mit uns machen wollten. 2 Stunden (gefühlte 5 Stunden) später, mit hochrotem Kopf, schnaubend und am Ende meiner Kräfte hatte auch ich den Aussichtspunkt erreicht und wurde – wie es nicht anders zu erwarten war, bereits von einer ganzen Reisegruppe Chinesen erwartet, die – noch ehe ich die letzten Stufen erklommen hatte bereits eifrig Bilder von mir machten, wie ich mich die letzten Stufen abquälte – und mich natürlich oben für diverse Einzel und Gruppenfotos in Empfang nahmen.



Aber der majestätischen Blick über die Berge, Beijing und Teile der Mauer, entschädigten dann wieder für alle Strapazen – und natürlich musste ich am höchsten Punkt auch feststellen, dass es eine Seilbahn von der anderen Seite aus gegeben hätte – aber na ja, für einen Euro und fünfzig Cent habe ich mir dann – meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt – ein Touri T-Shirt gekauft „I climbed the Great Wall“.



Chinesisch Unterricht...
puhh, meine armen Lehrerinnen sind wirklich gestraft mit mir, ich versuche so gut es irgendwie möglich ist, mir diese Sprache anzueignen, aber um ehrlich zu sein, ist es für uns alle eine Qual – für meine Lehrer ebenso – wenn nicht noch mehr – wie für mich! Ich habe auch den wohlklingenden chinesischen Namen Mò Yà erhalten (eine direkte Übersetzung dafür gibt es nicht, angeblich ist es aber „something beautiful“, ich hingegen bin fest überzeugt, dass es soviel heißt, wie „die, die kein chinesisch spricht“...

Alles an dieser Sprache ist einfach verrückt: Von den verschiedenen 4 Tönen habe ich ja bereits berichtet. So gibt es vollkommen identische Wörter, die aber jeweils anders betont werden und somit auch eine vollkommen andere Bedeutung erlangen. So wundert es mich nicht, dass ich für den ein oder anderen gesprochenen Satz schon einige Lacher geerntet habe. Auch die geschriebene Sprache ist äußerst Komplex: So gibt es beispielweise kein Wort für Ampel sondern der Begriff setzt sich auch den verschiedenen chinesischen Zeichen für Rot und Grün und Licht zusammen. Das heißt, diese drei Zeichen zusammen ergeben das Wort Ampel.

Seit zwei Wochen hat sich unser Kurs von 3 auf zwei Personen reduziert, da Alexandr nach einem Monat Sprachunterricht wieder zurück nach Prag gegangen ist um dort als Manager zu arbeiten. So Alex, you can imagine that I really have a hard time since you leave me alone with Annie and Simon. No jokes, about how to speak formally to old people and not so many jokes at all… I miss you in classes “wo de tong xue” – but we will meet again for a pijiu in Prague, Cologne or Beijing.



Das Beijing-Oktoberfest...
bei den kopierwütigen und europafanatischen Chinesen darf natürlich auch das Oktoberfest nicht fehlen und wenn man es schon nicht schafft innerhalb Deutschland nach München zu reisen, so habe ich zumindest zünftig auf dem Oktoberfest in Beijing zu Gassenhauern, wie der Chinesenpolka, und den Wiesenklassikern eine Mass Bier getrunken! Wir hatten sehr viel Spaß mit „Franzl“ dem Sänger der Band der mit seiner Band bereits zum 19 mal zum Oktoberfest nach Beijing gereist ist.



Heizung – oder so langsam wird es hier richtig kalt...
ach ja, da war ja was, Peking ist genau wie viele andere chinesische Städte eine zentralbeheizte Stadt. Das heißt, egal wie kalt auch immer es ist, es werden erst ab dem 15. November die Heizungen angeschaltet, die dann aber auch auch volle pulle laufen – und natürlich nicht regulierbar sind. Das heißt, wenn man aus der eiseskälte ins Apartment kommt, hilft nur noch das Fenster aufzureissen.

Sehnsüchtig habe ich schon auf den 15. November hingefiebert und freute mich schon morgens darauf, abends zur abwechslung mal nicht in Winterjacke an meinem Schreibtisch sitzen zu müssen, aber nichts da. Irgendwie hatte unser Vermieter die Heizrechnung vom letzten Winter nicht beglichen was bedeutete, dass ich abends wieder in eine eiskalte Bude kam. Zu allem Überfluss kam noch hinzu, dass unsere Dusche kaputt war und wir nur noch kaltes Wasser zum duschen hatten. Ein Traum! Als ich mich schlechtgelaunt erst mal bei unserer Schule beschwert habe, ist mir mal wieder klargeworden, dass in China die Uhren tatsächlich noch anders ticken. Mir wurde dann gesagt, dass sich in den nächsten Tagen jemand darum kümmern würde, woraufhin ich nur gesagt habe, „meiyou“ nicht in den nächsten Tagen sondern sofort, weil ich nicht bereit bin noch einen Tag länger mit kaltem Wasser zu duschen. Unser Man-für-alles, der die Reperaturen macht (ein Chinese) hat mir dann doch tatsächlich vorgeschlagen, falls es denn morgen nicht mit der Reperatur klappen würde, dass ich mir doch einfach einen Topf mit Wasser aufsetzen könnte um das dann zum duschen zu nehmen... Ich wusste echt nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte. Aber nach einigen Erklärungen hat er eingesehen, dass das nicht funktioniert – und siehe da – einen Tag später hatten wir warmes Wasser und ab dem 20. November dann auch eine Heizung!

An dieser Stelle noch mal danke an Dich Schwester-Herz - ohne die Wärmflasche, wär ich echt erfroren!

Zu guter letzt nur noch ein paar Bilder und Impressionen der letzten Wochen - detallierte Berichte gibt es wenn ich zurück bin ;-)

Akrobatik-Show


Beijings Aquarium


K-TV (also, liebe Silvester-Freunde, ich bin bereit - jetzt weiß ich wie die Profis Karaoke singen - macht auf auf etwas gefasst ;)


Das Olympiastadion "the Birdnest"


Frequent Hills


Temple of Heaven


Ho Hai Park


Kochkurs "jiaoze" - auch ihr kommt noch in den Genuss :)


Shanghai


Sommer Palast


Terracotta Armee in Xi'an


Englisch Unterricht für Kinder aus Wanderarbeiterfamilien in den Außenbezirken Pekings


Party, party, party...


Zusammenfassend kann ich wie oft zitiert nur sagen „China, jeden Tag ein bißchen Kulturschock“ – aber ich möchte die Zeit nicht missen!

Ich hatte hier – und werde hoffentlich auch noch die letzte verbleibende Woche - eine großartige und unvergessliche Zeit. Ich danke euch für eure Anrufe über Skype, lieben Mails, Briefe und Päckchen – auch wenn ich hier wundervolle Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden habe, wäre es ohne euch sicherlich nicht so leicht für mich gewesen. Eigentlich müsste ich mich bei jedem von Euch bedanken, deshalb versuche ich es zusammen zu fassen: Danke an meine Familie, Sebastian, Ute + Wolfgang, meine allerliebsten Mädels, meine "Gemeinde", alle meine lieben Freunde aus Köln und das Apotheken-Team, die gespannt auf Neuigkeiten aus China gewartet gewartet haben - leider sehr lang ;-) Ich freue mich schon jetzt wahnsinnig darauf, jeden einzelnen von euch wieder zu sehen aber bin – wer hätte das noch vor ein paar Monaten gedacht – tatsächlich traurig zu gehen. Und so ist es auch diesmal wie so oft im Leben – ich gehe mit einem lachenenden und einem weinenden Auge.

Ich wünsche euch allen eine wunderschöne vorweihnachtliche Zeit und freue mich euch auf dem Weihnachtsmarkt in Köln und oder Aurich wieder zu sehen, Kuss eure Tanja


Ich hab den ersten Glühwein dieses Jahr bereits in der deutschen Botschaft in Peking getrunken - Prost!

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